Rede zum Abschied von geliebten Menschen

Wenn geliebte Menschen von uns gehen, ist ein wichtiger Punkt in der Trauerarbeit, dass man vernünftig Abschied nehmen kann. Dafür ist auch eine würdevolle und einfühlsame Feierstunde auf das Leben der Verstorbenen notwendig, bei der man sich an die schönen Momenten in deren Leben erinnert, lächeln und trauern darf, und dennoch ein wenig den Kopf heben und nach vorne schauen kann.

Ich nehme mir viel Zeit den Menschen, den Sie verloren haben, mit Ihnen kennenzulernen, rede mit Ihnen darüber, welche Erinnerungen Ihnen besonders wichtig sind und was in der Rede nicht fehlen darf, damit auch der Abschied in schöner Erinnerung bleiben kann.
Auf Wunsch begleite ich die Abschiedsfeier zusätzlich musikalisch als Sängerin.

Musik zum Abschied

Zu einem würdigen Abschied gehört für viele Menschen auch Musik. Und live gesungen, gehen die Lieder oft noch ganz anders unter die Haut.
Auch für diesen Anlass studiere ich nach Möglichkeit die Songs ein, die Sie sich für den Abschied von ihrem geliebten Menschen wünschen.

 

Mein Repertoire für die Trauerfeier  ist noch nicht so groß, doch die Lieder müssen auch nicht immer von Trauer und Abschied handeln.
In den Freundebuch seines Enkels schrieb ein Verstorbener, dass sein Lieblingslied "Ein Bett im Kornfeld" sei - also studierte ich dieses Lied für ihn und seine Familie ein.
Ein anderes mal sang ich "kein schöner Land", da die Dame in ihren letzten Jahren oft vor sich hingesungen hat und auf einem Video dieses Lied von ihr zu hören war.

 

Ob die Musik Erinnerungen hervorruft oder es sich um die Lieblingslieder- und Künstler der Verstorbenen, handelt - es gibt so viele Möglichkeiten.

 

Manchmal packt mich selbst die Inspiration, weshalb ich auch gerne meine eigenen Songs, wie z.B. "Am Meer" für Sie und Ihren lieben Menschen, den Sie vermissen, singe.

 


"...Wir möchten ebenfalls Frau Wilcke unseren Dank aussprechen. Mit ihrer einfühlsamen Rede und mit ihrem wunderschönen Gesang hat Frau Wilcke die Feierstunde für alle Anwesenden zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht" - Google Rezension für Himmelslotsen Bestattungskultur Rostock

"Freunde geht, das Fest ist aus..." - 24.01.2021

Es ist Samstag. Der Himmel ist grau und es nieselt, und ich sitze im Auto, auf dem Weg zu einer ganz besonderen Abschiedsfeier. Mir wurde die Rede auf das Leben eines leidenschaftlichen Musikfans und Reiselustigen anvertraut. Er war ein toller Mensch mit großem Herzen und einer riesigen Familie aus Verwandten, Freunden und Kollegen mit Klienten, die ihn sehr vermissen. In seinem Leben hat er viel gesehen, erlebt, die Menschen zusammengebracht und berührt. Es gehört ein wenig zur Tragik meines Berufes, dass ich solche interessanten Persönlichkeiten oft erst posthum kennenlernen darf. Und einerseits fühlte ich mich sehr geehrt, diese Rede schreiben zu dürfen, andererseits machte ich mir selber einigen Druck, diesem Menschen gerecht zu werden.
Angekommen bei der Trauerhalle waren die Musiker bereits am Aufbauen. Ein Rostocker Duo, das dem Verstorbenen unheimlich wichtig war, machte sich bereit, bei der Feierstunde zu spielen. Die Stimmung war relativ entspannt, der 8-jährige Neffe des Verstorbenen hüpfte fröhlich umher und war ganz entzückt, als es plötzlich anfing zu schneien.
Die Trauerhalle war hell und freundlich, es gab viele Wände aus Glas. Wenn man auf den Bänken saß, konnte man hinaus ins Grüne sehen. Die Halle war liebevoll dekoriert mit Fotocollagen und vielen der unzähligen Postkarten, die der Verstorbene von seinen zahlreichen Reisen geschickt hatte. Auf der letzten Bank lagen CDs mit seiner Lieblingsmusik, die die Gäste sich mitnehmen durften. Jede CD hatte ein anderes Foto des nun fehlenden Freundes, Onkels und Bruders als Cover. Mal cool mit Sonnenbrille, dann ein Foto von einer Reise, dann wieder eines mit seinem herzlichen Lachen, dass allen immer gut in Erinnerung bleiben wird.
Vor Beginn der Feierstunde zündete jeder Gast eine Kerze an und steckte sie als kleines Licht der Hoffnung in eine Schale mit Sand.
Die Musik zur Abschiedsfeier hatte sich der Verstorbene zu Lebzeiten selber ausgesucht und so begann diese mit einem zwanzigminütigen Psychedelic-Rock-Stück. Alle Gäste lauschten gebannt dem so langen, aber doch abwechslungsreichen Song. Während der letzten
Minuten des Stückes brach die Wolkendecke ein Stück auf, die Sonne strahlte durch das Glas an der Stirnseite in die Halle und ließ die Wassertropfen, die der Schneeregen in den Büschen hinterlassen hatte, funkeln.

 

Mein Einsatz war gekommen. Ich ging nach vorn, begrüßte die Gäste so, wie es auf den vielen Postkarten zu lesen war, die sie bekamen. Darauf stand immer die Begrüßung in Landessprache. In der langen Rede erzählte ich aus dem bunten Leben voller Musik, Reisen und tollen Freunden. Es wurde ein weiteres Lied gehört, dann sprach ich auch über die Krankheit, wie furchtlos der Verstorbene damit umgegangen ist, über seinen Tod, und wie sehr er vermisst wird. Ich setzte mich in die erste Reihe, um der Band „Die Reise“ zu lauschen, bei dessen Konzerten der Verstorbene immer dabei war. Die Musik ist ruhig, melancholisch, aber gleichzeitig auch hoffnungsvoll. Es fiel mir schwer, mich nicht zu sehr mitreißen zu lassen.
Als die letzten Töne der Band langsam verhallt waren, ging ich wieder nach vorn, kündigte das letzte Musikstück an und erzählte den Gästen, dass der Verstorbene es ausgesucht hatte, um sich damit von sein
en Liebsten zu verabschieden. Und ich verabschiedete die Gäste auf all den Sprachen, mit denen ich sie zu Beginn begrüßt hatte. Als ich nach hinten ging, erklang „Lied auf den Weg“ der Klaus Renft Kombo: „Freunde geht, das Fest ist aus, es war schön mit euch...“ Es klang wie der Soundtrack am Ende eines Filmes und ich hätte mir kein besseres Lied vorstellen können, um seine Liebsten zu verabschieden. In dem Moment war ich so gerührt, dass ich kurz in die kleine Kammer verschwinden musste, in der die Kollegen Kaffee für die Gäste kochten.
Als ich meine Augen getrocknet und mich etwas gesammelt hatte, ging ich zurück in die Halle. Die Leute redeten miteinander, wärmten sich mit einem Kaffee auf und betrachteten die vielen Fotos und Postkarten.
Vorne bei der Urne stand auch ein alter Koffer, geschmückt mit Blumen und Postkarten. Zu Beginn der Feierstunde war er leer, doch als ich dann hineinblickte, war er gefüllt mit Briefen, die die Angehörigen mit auf die letzte Reise geben wollten.
Ich war völlig hin und weg, wie liebevoll und mit wie viel Kreativität und Eifer seine Freunde und Familie diesen Tag gestalteten. Es wollten sich rund 200 Leute von dem Verstorbenen verabschieden, was wegen der Corona-Pandemie, aber auch aufgrund der Größe der Trauerhalle, bei der Abschiedsfeier undenkbar gewesen wäre. Trotzdem fanden Freunde und Familie einen Weg, für alle einen Abschied möglich zu machen. Meine Rede lief als Rolltext auf einem Monitor in Endlosschleife weiter, im Hintergrund spielte „Die Reise“ live und im Stundentakt durften jeweils 20 Freunde und Kollegen Abschied nehmen von diesem tollen Menschen, den ich liebend gerne zu Lebzeiten kennengelernt hätte.